Die Rockerin, die Cosmopolitan oder doch lieber die Blume?

Intimbehaarung ist unhygienisch. Richtig oder falsch?

Die Rockerin, die Cosmopolitan oder doch lieber die Blume? Als wir über den Artikel "Intimfrisuren-Trend: 15 hübsche Ideen für untenrum" aus der Cosmopolitan gestolpert sind, mussten wir erstmal schmunzeln: Pure Kreativität, die hier angewendet wird bei der Intimrasur.

Eine kurze Geschichte der Intimbehaarung

Die Intimfrisur/rasur ist kein Trendthema. Schon 4.000 bis 3.000 v. Chr. nutzen Frauen* geschliffene Steine und Muscheln in Kombination mit Harzen, Eselfett oder Federmausblut, um sich zu enthaaren. Dies zeigen Grabmalereien – nur Schmuck trug die Frau*. Rasur war immer etwas umständlich bis 1946 Gilette den ersten Rasierer speziell nur für Frauen* herausgebracht hat. Von da an begann die Rasier-Revolution.

Intimbehaarung ist unhygienisch?!

Intimbehaarung ist NICHT unhygienisch. Es ist viel mehr hygienischer Intimbehaarung zu haben. Wieso? Intimhaare sind eine natürliche Schutzbarriere für die empfindliche Haut im Intimbereich, sie fangen Bakterien ab und verhindern, dass diese in die Vagina eindringen. Und so ganz nebenbei: Intimbehaarung machen Empfindungen im Intimbereich sensibler. Die Häärchen können also auch das Sexleben beglücken :)

Je jünger, desto enthaarter

Laut einer repräsentativen Umfrage der Universität Leipzig enthaaren sich 66,7 Prozent der 14- bis 17-jährigen Frauen untenrum, bei den 18- bis 30-jährigen Frauen sind es sogar um die 80 Prozent. Als Hauptgrund für die Enthaarung sei „das eigene Schönheitsideal“. Dicht gefolgt von „ich fühle mich hygienischer“. Wie wir bereits gelernt haben: Intimbehaarung ist sogar gesundheitsfördernd. Doch nicht nur gesundheitliche Komplikationen sehen Gynäkolog:innen kritisch, sondern auch das dadurch immer stärker werdende Selbstbild von Frauen*/ Menschen mit Vulva: ein zwanghafter Drang zur Enthaarung. Pro Familia warnt bereits davor, dass junge Menschen überhaupt keine Alternative zur Rasur mehr kennen würden, das Gefühl hätten, bei der Komplettenthaarung handle es sich um eine gesellschaftliche Erwartung und sich unter Druck fühlen würden, einem angeblichen Ideal zu entsprechen. #freethepubichair

Eine weitere Folge: Vulvalippenkorrektur

Ja, ihr habt richtig gehört. That's a thing. Und zwar nicht die Korrektur aus gesundheitlichen Gründen sondern aus einem gesellschaftlich geprägten Schönheitsideal. Es gibt laut Schönheitschirugin Cynthia Wolfensberger zwei Faktoren für die Zunahme der OP:

  1. Die eben beschriebene nicht mehr vorhandene Intimbehaarung. Sie offenbart darunter alles. Was meinen wir damit? Wir sehen unsere Vulvalippen und fangen an darüber nachzudenken, dass sie zu lang, zu kurz, zu dick oder zu dünn sind. Früher als Intimbehaarung vüllig normal war, konnte man das gar nicht erkennen.
  2. Die Pornoindustrie: Frauen sind glatt rasiert und haben alle die selbe Vulva – sprich keine herabhängenden Vulvalippen. Noch viel mehr: Sie zeigen keine Vielfalt, sondern ein einheitliches Bild, wie eine Vulva IMMER auszusehen hat. Und das schadet jungen Menschen, wenn mit Pornos erste sexuelle Erfahrungen gemacht werden.

Am Ende möchten wir vor allem eines mitgeben: Jede:r wie er/sie sich wohlfühlt!

Quellen: https://www.zeit.de/zett/2016-05/die-geschichte-der-weiblichen-intimfrisurhttps://editionf.com/Interview-Cynthia-Wolfensberger-Schoenheitschirurgin/