Feminismus ist nicht gleich Feminismus

Männerhass ist Feminismus. Von wegen es geht um nicht mehr und nicht weniger als GLEICHBERECHTIGUNG:

VON LAURA STRECK

Eine kurze Geschichte des Feminismus*

Schon früh wurde das Patriachat in Frage gestellt und über die gesamtgesellschaftlichen Vorteile der Gleichstellung von Mann und Frau nachgedacht. Ahh ja, alle Menschen als Menschen zu betrachten ergibt ja vielleicht Sinn! Geschichtlich wird der Feminismus grob in drei Wellen aufgeteilt - es gab aber enorme Unterschiede zwischen Lokalitäten und Gesellschaftschichten.

  1. Französischen Revolution - Anfang 20.Jhd: Als einer der frühesten Texte des Feminismus gelten Olymp de Gouges Forderungen in der "Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin" 1791 als Reaktion auf die "Deklaration der Menschen und Bürgerrecht" 1789. Sie fordert unter anderem gleiche Rechte vor dem Gesetz und gebührende Wertschätzung der Frauen. Nachdem in einigen Ländern grundlegende Forderungen wie das Frauenwahlrecht erfüllt waren, ebbte die erste Welle ab.
  2. Bürgerrechtsbewegungen bis in die 90er: In den 60ern bildeten sich Frauenbewegungen, die den Umgang mit Abtreibung, häuslicher Gewalt, Scheidung und die Abhängigkeit der Frau vom Mann in alltäglichen Dingen anprangerten. Auch zu erwähnen ist die Arbeit von Simone de Beauvoir, mit Texten wie "Sie kam und blieb" und "Das andere Geschlecht".
  3. Bis Heute: Der Feminismus heute möchte möglichst viele Personen mitdenken und versteht sich als intersektional und transnational. (Was das genau bedeuten soll behandeln wir noch) Er sieht die Frau als selbstbestimmt und selbstbewusst auch in der Sexualität. Hinzu kommt die Genderforschung, die das Geschlecht als Konstrukt identifiziert und den Feminismus vor neue Fragen stellt. Dadurch entstehen einige Ansichten (z.B. zu Pornos und Sexarbeit), die sich von älteren FeministInnen unterscheiden können.

Was ist intersektionaler Feminismus?

Intersektionaler Feminimus will breiter und inklusiver auf Ungerechtigkeiten eingehen. Kimberlé Crenshaw* erklärt intersektionalen Feminismus so:

"ein Prisma, um die Art und Weise zu verstehen, wie verschiedene Formen der Ungleichheit oft zusammenwirken und sich gegenseitig verschärfen".

Mit verschiedenen Formen der Ungleichheit sind zum Beispiel ungleiche Belastungen durch Krisen und Armut oder Diskriminierungsformen wie Rassismus und Antisemitismus gemeint. Diese Art von Feminismus ist zugleich inklusiver, weil sie Personen in anderen Lebensumständen mitdenkt und somit gegen eine breiter werdenden Schere ankämpft.

Wenn wir Oma fragen: Wir haben einen langen Weg hinter uns – OH JA!
Wenn man sich diesen Werbespot aus 1955 anschaut:

Unterschiedliche Ausprägungen von Feminismus 

Über die Zeit haben sich verschiedene Formen von Feminismus entwickelt. Dabei dient die Auflistung nur zum Überblick um zu verdeutlichen wie vielfältig Feminismus ist. Sie ist keinesfalls komplett und soll keinesfalls das Gefühl bewirken sich einordnen zu müssen. Gewisse Grundanliegen wie Selbstbestimmung und Gleichberechtigung für alle Menschen teilen sich die verschiedenen Arten des Feminismus. Sie denken aber noch unterschiedliche Aspekte mit oder spezialisieren sich:

  • Liberaler Feminismus: Es geht vorrangig um Gleichheit unabhängig vom Geschlecht
  • Konservativer Feminismus: Chancengleichheit trotz Geschlechterdifferenzen
  • Differenzfeminismus: Hier werden Geschlechtsunterschiede betont aber deren Vorteile herausgestellt
  • Queer Feminismus/ Netzfeminismus: kritisiert die Heternormativität, denkt intersektional
  • Diskurstheoretischer Feminismus: Kritik an heteronormativen Diskursen (wie z.B. biologistisches Genderwissen) die sich in alltäglichen Handlungen festigen

Dialog ist und bleibt das A & O

Wir haben es ja schon angesprochen: über die letzten Generationen hat sich im Feminismus ziemlich viel verändert. Da ist es nicht verwunderlich, dass es hier im Dialog zwischen den Generationen zu verschiedenen Meinungen kommen kann. Ich kenne das auf jeden Fall aus vielen Diskussionen in der Familie - sei es über Politik oder Feminismus. Bei Friis und Jimmy entsteht ein positiver Dialog, aber für viele prallen Welten aufeinander und es ist schwer offen für die grundsätzlich unterschiedlichen Vorstellung von ganz anders aufgewachsenen Personen zu bleiben. Wie kann ich mit Personen, die der entgegengesetzten Meinung sind trotzdem ein gutes Gespräch führen?

Die Zeit hat im Rahmen des großartigen Projekts "Deutschland spricht" ein paar Tipps formuliert, um ruhig die eigenen Meinung zu vermitteln ohne dem anderen vor den Kopf zu stoßen:

  • Das Gegenüber wirklich verstehen: Das Gehörte paraphrasieren um sicherzugehen ("Habe ich dich richtig verstanden, dass..")
  • offene Fragen stellen und Interesse an der Position signalisieren
  • Gemeinsamkeiten finden um dann von dort zu sehen wo die Auffassung auseinander geht
  • Belehrungen und Moralisierungen vermeiden (lieber Pauschalisierungen durch Fragen aufdecken "Ist es dir schon mal passiert, dass..")
  • Standpunkt begründen, Hintergrundinformationen geben und erfragen
  • Prinzip des Wohlwollens: Argumente bestmöglichst interpretieren
  • Gefühle ansprechen und Deeskalieren: die eigenen Emotionen einordnen und bei Bedarf erst nach einer Gedenkpause antworten
  • Perspektivenwechsel/ Reframing: Versuchen die Wertvorstellungen des Gegenübers zu verstehen und danach auf die Debatte zu blicken

In einer Welt die immer polarisierter wird, brauchen wir Techniken die den Austausch von unterschiedlichen Ansichten stärken. So wird das Verständnis für einander gefördert, nicht nur bei politischen Differenzen, sondern auch differierenden gesellschaftlichen Ansichten.

*Quellen: https://www.bpb.de/apuz/267936/was-ihr-zusteht-kurze-geschichte-des-feminismus?p=all, https://www.unwomen.de/ueber-uns/un-women-kaempft-fuer-gleichstellung/intersektionaler-feminismus.html,  https://www.zeit.de/gesellschaft/2017-05/argumentationsforschung-politik-debatte-10-regeln