Schambehaftet? – Charmebehaftet!

 

VON LAURA STRECK

Wenn ihr eine Emotion abstellend könnten, welche wäre das? Angst, Trauer, Wut, Scham, Ärger? 😱😥😣😳😤 Für uns steht auf jeden Fall Scham weit oben auf der Liste der unangenehmsten Emotionen.

Scham und seine Auswirkung

Das lähmende Gefühl der Verlegenheit und des Unwohlseins, dann auch noch Rot werden und den eigenen Selbstwert in Frage stellen? Bah, darauf würden wir nur allzu gerne verzichten. Und auch wenn ein gesundes Portiönchen an Scham das gesellschaftliche Zusammenleben vereinfacht, so mindert Scham die Selbstbestimmung, auch in der Sexualität. Da wird uns häufig diktiert, wofür wir uns schämen sollten. Der Körper, der nicht der Norm entspricht, oder das Sexualverhalten, das zu verklemmt oder zu ausgeprägt ist.

Deswegen unser Appell diese Woche: Trau dich und lass dich nicht vom Scham und von der Angst vor negativen Reaktionen aus deinem Umfeld abhalten, Dinge zu thematisieren und auszuprobieren!

Woher kommt die Scham?

Aber natürlich einfach gesagt als getan. Die Häufigkeit und Intensität von Schamgefühlen hängt mit den Wertevorstellungen einer Kultur und mit der Bildungsschicht zusammen. Aber auch unsere Sprache gibt uns unterbewusst zu verstehen, wofür es sich in unserer Gesellschaft zu schämen gilt. Da haben wir die Verknüpfung mit Scham schon früh internalisiert.

Hier ein paar Beispiele und alternative Begriffe:

  • Schambehaarung ❌ Intimbehaarung ✔
  • Schamhügel ❌ Venushügel 
  • Schamlippe ❌ Vulvalippe ✔
  • Schambereich ❌Intimbereich ✔

Sex: Das große Scham-Thema

Auch beim Sex kommt es oft zu Situationen, für die man am liebsten im Erdboden versinken würde. Wie beispielsweise wenn die Vagina einen lauten Flatus Vaginalis von sich gibt. Da kommen gleich mehrere Bereiche zusammen, in denen wir gelernt haben, uns zu Schämen:

  • abweichendes Verhalten in Form von unkontrollierten Tönen, die unser Körper von sich gibt und das noch aus der Vagina - die sowieso zu Unrecht schambehaftet ist. Wenn durch Sport oder penetrativen Sex Luft in den Vaginalkanal kommt, dann muss die auch irgendwie wieder raus und das kann sich bemerkbar machen. Statt zu schweigen oder zu vermeiden, reicht ein Einfaches: "OH, das war meine Vagina". In den meisten Fällen trägt das sogar zu einer ausgelasseneren Stimmung bei und nach einer Lachpause kann es so wie davor weitergehen!
  • Scham als Unterdrückungswerkzeug – Scham kann auch als Werkzeug zur Unterdrückung genutzt werden, nämlich wenn propagiert wird, für Andersartigkeit in der Sexualität müsse man sich schämen. So werden Personen folglich in der Auslebung ihrer Sexualität eingeschränkt. Frauen sollen sich zum Beispiel schämen, wenn sie in der Hochzeitsnacht kein intaktes Hymen mehr haben (welches KEIN Indiz dafür ist, ob es das erste Mal Sex ist oder nicht, verdammt !!! ) oder zu viel sexuelles Verlangen haben. Das Auslösen von Scham als Machtinstrument kann Ansichten stark beeinflussen und dazu führen, dass Personen für ihre sexuellen Vorlieben als nicht normal diskreditiert und diskriminiert werden.
Habt ihr Erfahrungen mit der beabsichtigten Verknüpfung von Scham und Sexualität gemacht?