Sexualität ist KOMPLEX

Mann oder Frau? Hetero- oder homosexuell? Wieso eigentlich immer "entweder...oder"?!

Sexualität – eine Definition

Wir starten mal klassisch mit der Definition: Der lateinische Begriff für Geschlecht ist „sexus“. Davon abgeleitet bedeutet „sexualitas“ wörtlich übersetzt das „Geschlechtlich Sein“. Mit dem Begriff „Sexualität“ werden alle Lebensäußerungen, Empfindungen und Verhaltensweisen umfasst, die in weitestem Sinne im Zusammenhang mit der geschlechtlichen Begegnung und mit der geschlechtlichen (im Gegensatz zur vegetativen) Fortpflanzung stehen. (Quelle: frauenaerzte-im-netz.de) Die eigene Sexualität wird nicht nur durch die eigene innere Entwicklung (biologische Geschlecht, psychologische Faktoren) geprägt sondern auch von äußeren Einflüssen (u. a. Herkunft, Erziehung, Religion, Normen) Sexualität ist also ein sehr großer und vielfältiger Begriff.

Der Dreiklang der Sexualität

1985 hat Erwin Häberle, deutscher Sexualwissenschaftler, deshalb Sexualität mithilfe von 3 Faktoren in seinem Buch "Sexuatitä des Menschen" beschrieben, die alle Einfluss auf die eigene Sexualtität haben: das biologische Geschlecht, die Geschlechtsrolle und die sexuelle Orientierung.

  1. Das biologische Geschlecht wird in der Embryopahse in der Gebärmutter definiert: Auf Basis der unterschiedlichen chromosomalen Ausstattung (46XX, weiblich vs. 46XY, männlich) erfolgt initial eine biologische Differenzierung der Keimdrüsen in Hoden oder Eierstöcke (chromosomales und gonadales Geschlecht).
  2. Geschlechtsrolle beschreibt die Gesamtheit der kulturell erwarteten, als angemessen betrachteten und zugeschriebenen Fähigkeiten, Interessen, Einstellungen und Verhaltensweisen des jeweiligen Geschlechts.
  3. Sexuelle Orientierung umfasst die sexuellen Wünsche und Neigungen bezüglich des Geschlechts des Sexualpartners oder der Sexualpartnerin. Sie kann sich in Form von u. a. Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität, Transsexualtität, Asexualität, Pansexualität äußern. Die sexuelle Orientierung wird vor allem im Jugend- und Erwachsenenalter ausgeprägt.

Das ist auch heute noch aktuell und alle drei Aspekte sind nicht zu vernachlässigen, nicht zu ignorieren.

Das binäre Geschlechtsmodell: Mann + Frau = Hetero

Mann und Frau. Frau und Mann. Die binäre Geschlechterordnung kennt nur zwei Geschlechter – Mann und Frau – und sieht die sexuelle Anziehung dieser beiden Geschlecht (Heterosexualität) als naturgegeben vor. In diesem Kontext wird häufig auch von cis Mann und cis Frau gesprochen, dabei werden alle anderen Geschlechter ignoriert. Dass dieses Konstrukt überholt ist und absolut nicht ins 21. Jahrhundert passt, ist ziemlich offensichtlich. Sexualität ist vielfältig und individuell. Gesellschaftlich kann hier nichts vorgegeben werden.. wie auch?

Letztendlich ein großes Thema, das zum Denken anregt. Wahrnehmen, Zuhören, Reflektieren und Akzeptieren sind im Diskurs wichtig.