"Frau sein"

Was heißt das eigentlich?

VON LAURA STRECK

Definition "Frau sein"

Zur Vorwarnung: Wir sind sehr bedacht diese Frage nicht zu beantworten und halten es absichtlich schwammig. Denn jegliche Definition wäre sehr einschränkend. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Geschlecht so komplex ist und nicht binär beschrieben werden kann.

"One is not born, but rather becomes a woman" hat Simone de Beauvoir in ihrem Buch "Das andere Geschlecht" schon geschrieben. Wie sehr "Frau sein" Teil der eigenen Identität ist, kann jeder für sich selbst bestimmen. Denn für jeden Menschen bedeutet eine Frau zu sein etwas anderes und ruft andere Assoziationen hervor.

Drei Frauen aus Nicaragua beantworten die Frage damit, dass Frau sein in einem patriachalen System Unterdrückung und Kampf heißt, also eine Herausforderung und ein Zustand der Rastlosigkeit ist. Wir sprechen das Thema an, weil häufig eine vorgefertigte Frau sein-Definition Personen, die mit Vulva geboren sind, auferlegt wird. Diese transportiert Vorstellungen die freiheitsbegrenzend sind und denen man in manchen Fällen gar nicht entkommen kann.

Das binäre System: Mann und Frau

Frauen haben eine Vulva und sind emotional, Männer einen Penis und sind stark. Und klar, dass sie jeweils auf die andere Kategorie stehen. Öhm, no, not really! Normalität im Geschlecht und in sexueller Anziehung wurde lange durch Binarität definiert. Aber wie soll die Komplexität unserer Wünsche, Verlangen und der Biologie in nur 2 Kategorien eingeteilt werden? Es ist wesentlich realitätsgetreuer sich ein flexibles Kontinuum anzuschauen. Sexualpädagogisch kann das durch das Gender Unicorn verdeutlicht werden. Es zeigt die Vielseitigkeit der Identität an und inkludiert somit mehr Personen. Jede Person kann individuell einen Punkt auf den verschiedenen Pfeilen setzen. Wichtig: Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck, zugewiesenes Geschlecht, sexuelle und romantische Anziehung sind unabhängig voneinander zu betrachten.

Pick up Artists – überhebliche Machismus oder niedriger Selbstwert?

Jimmys Mum redet auch über Machismus, der in ihren jungen Jahren sehr präsent war. Aber what's that? Damit ist die menschenverachtende Erhöhung des Mannes über die Frau gemeint. Wir kennen das eher unter dem Begriff Macho, eine Person, die machistische Charakterzüge hat. Häufig lebt sie nach einer traditionelle männliche Geschlechterrolle und will ihre Männlichkeit durch erniedrigendes Verhalten immer wieder unter Beweis stellen. Diese Gedanken gipfeln in einer Gruppierung, die sich Pick up Artists nennt. Diese Artists wollen den Selbstwert stärken und sprechen Frauen an, häufig mit dem Ziel Sex zu haben. Sie bedienen sich dabei an emotional manipulierenden Taktiken, die den Mann in eine erhöhte Position bringen. Ein Beispiel: Die Push and Pull Methode. Damit werden abwechselnd Zuneigung und emotionale Kälte gezeigt um den Selbstwert des Gegenübers zu minimieren und sich dadurch stärker zu fühlen. Gängige Begriffe wie Hot Babe (Frauen von 8-10 Auf einer Attraktivitätsskala) zeigen wie sexistische geladen diese Community ist. Aber was steht dahinter? Im Endeffekt sind das Personsn, die Probleme mit dem eigenen Selbstwert haben und versuchen sich von diesem abzulenken. Leider ist das Heruntermachen von Anderen aber keine gewinnbringende und nachhaltige Option.

Toxische Männlichkeit

"Sei ein Mann!" Sprüche wie diese konstruieren unser Verständnis von Männlichkeit und transportieren gesellschaftliche Anforderungen an das männliche Geschlecht. Als Mann hat man stark zu sein, keine Schwäche zu zeigen. Stattdessen lieber Aggression, Dominanz und Distanz. Diese Normen können die freie Entwicklung aber stark einschränken. JJ Bola beschäftigt sich in seinem Buch "Sei kein Mann" (Englisch: Mask off) mit diesen einschränkenden und auch toxischen Aspekten der Männlichkeit. Es geht um Erziehung, Reflexion, Öffnung und Verletzlichkeit. Und vor allem darum, wie schädlich das Patriarchat auch für Männer ist. Höhere Suizidraten, mehr männliche Obdachlose und Opfer von Gewaltverbrechen. Tipp: Unbedingt reinblättern! 

Wieso reden wir in 2021 überhaupt noch darüber?

Aber es hat sich doch schon so viel geändert, was wollt ihr denn noch?? Solange Menschen sich für ihr Verhalten, das nicht der gesellschaftlichen Geschlechterrolle entspricht, rechtfertigen müssen oder sogar ausgegrenzt werden, sind wir noch lange nicht fertig ! Solange beleidigendes und erniedrigendes Verhalten gegenüber einer Gruppe geduldet und als normal befunden wird, sind wir noch lange nicht fertig! Wir haben noch einige Arbeit vor uns! Hier noch ein witziges Video, das die Problematik gut darstellt:

Quellen: https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/internationale-zusammenarbeit/aktuelles/3414-was-bedeutet-es-frau-zu-sein-drei-frauen-aus-nicaragua-erzaehlen